Roya Hakakians bitterer Frühling

Ich habe in den letzten Monaten ein paar Bücher gelesen und darum wohl auch die Beiträge hier ziemlich vernachlässigt. Gegönnt habe ich mir damit sozusagen einen Leseurlaub. Vor einigen Monaten beispielsweise im Iran der siebziger und frühen achtziger Jahre von Roya Hakakian, Tochter einer jüdisch-persischen Intellektuellenfamilie.

Sie nimmt uns in „Bitterer Frühling: Meine Jugend im Iran der Revolutionszeit“ in wunderbaren Textbildern mit auf eine Reise durch ihre Kindheit und Jugend. Sie lässt uns die Traditionen ihrer Familie miterleben, die Liebschaften ihres Onkels, die Freundschaften und ihren Alltag in der Schule. Ein Alltag, der sich im Umbruch zwischen dem Sturz des Schahs und der Etablierung des Ayatollah-Regimes zusehendes verändert. Während die Woge der Revolution zunächst die Hoffnung einer ganzen Generation junger Iranerinnen und Iraner mit sich trägt, Teheran mit Aufbruchstimmung und Optimismus erfüllt, verdunkelt sich die Gegenwart der jungen Roya zusehends. In der Schule übernehmen schwarz verhüllte Frauen das Kommando, in den Strassen regiert das Bild Chomeinis und als die Familie an der Wand ihres Hauses antisemitische Schmierereien entdeckt, ist für sie klar, dass es im Iran für sie keine Zukunft mehr gibt.

Ein bewegendes Buch, ein leidenschaftlicher Text voller Sprachbilder und Einblicke in eine andere Kultur.

„Bitterer Frühling: Meine Jugend im Iran der Revolutionszeit“
ISBN 978-3-421-04328-3