Was geht, wenn nichts mehr geht – Swiss Paradise von Rolf Lyssy

Ein bewegender Bericht hat mich durch den Juli begleitet. Rolf Lyssy, der Schweizer Regisseur (Die Schweizermacher), erzählt in Swiss Paradise – ein autobiographischer Bericht – mit einer bewundernswerten Offenheit von seiner schweren Depression und seinem Weg, den Hoffnungen und Rückschlägen, dieser lähmenden Dunkelheit zu entkommen. Sein Text zeigt, was es heisst, wenn nichts mehr geht, wenn Alltäglichkeiten, ja Aufstehen oder Anziehen belasten und wenn sich unweigerlich die Frage aufdrängt: wird dies je wieder anders werden?

Das Buch ist zugleich aber auch eine berührende Reise in seine Vergangenheit. Die Geschichte seiner Vorfahren, der Emigration seiner jüdischen Grosseltern aus Osteuropa nach Frankfurt, die bewegenden Aufzeichnungen seiner Mutter, deren unglaublicher Lebensweg geprägt von Liebe, Enttäuschung, und Krieg sie nach Osteuropa über Paris in die Schweiz brachte, wo sie, dank der Geburt ihres Sohnes überlebte, während sie vergeblich versuchte, ihre Eltern vor der Deportation zu bewahren.

Man könnte jetzt denken, dass dieses Buch unerträglich schwer zu lesen ist, die Schilderungen zu sehr belasten. Doch – und das ist markant an dem Bericht – so schwer das Thema des Buchs, so leicht lesbar der Stil, in dem Rolf Lyssy erzählt. Er wechselt Schauplätze, beleuchtet kritisch die eigene Krankengeschichte, das eigene Schaffen, Erfolg und Scheitern und nicht zuletzt auch die Mechanik des Schweizer Filmemachens. Und durch die Wiedergabe der Aufzeichnungen seiner Mutter, lässt er sie ihre Lebensgeschichte auf ihre eigene und mitreissende Art und Weise in ihren Worten erzählen.

Swiss Paradise ist erschienen bei Rüffer & Rub