Ekel der Steuererklärung

Pünktlich zu dieser Jahreszeit, die ohnehin grau in grau vor sich hin tropft, erhellte dieser Tage ein Brief ganz besonders meine Stimmung: die Steuererklärung. Da war Sie wieder und wie jedes Jahr werde ich mich durch die Formulare wühlen, um dann die nette Summe meines hart erarbeiteten Geldes zu definieren, die ich werde abliefern dürfen. Doch verglichen mit den Abgaben, die unsere lieben Nachbarn in den Ländern um uns bezahlen, fülle ich die paar Formulärchen doch schon fast wieder gerne aus. Einmal im Jahr – ecco fatto! Ich könnte es ja auch auslagern, an Personen, die so etwas von Berufs wegen gerne tun. Doch als ich letzte Woche an einem Plakat eines solchen Anbieters vorbeilief, musste ich schmunzelnd feststellen, dass deren Ekel vor der Sache nicht unbedingt kleiner zu sein scheint.

Steuern

Les paronymes – fast wie eineiige Zwillinge

Kein Knick in der Linse: „paronymes“ sind Wörter, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen, aber doch anders sind. Sie ähneln sich in Form und Aussprache und führen manchmal zu semantischen Konfusionen. Unsere Augen sehen auf den ersten Blick ein ähnliches Schriftbild, bis wir merken, dass es sich dann doch um den falschen Bruder  handelt. Zwei Beispiele:

amulette (Amulett) – allumette (’s Zündhölzli)

latitude (Breite) – altitude (Höhe, Höhenlage)

Les homonymes – der Namensvetter vom Wort

„Homonymes“ sind Wörter, die wir gleich aussprechen, deren Orthographie und Bedeutung sich aber unterscheiden (also die Orthographie nicht immer wie wir gleich sehen). Das sind dann ganz einfach Worte, die zwar gleich geschrieben sind, aber mehrere Bedeutungen haben.

il peint (er malt) – la pain (das Brot) … es scheint also ein Stilleben zu werden…

Und noch ein Beispiel für die deutsche Sprache, weil wir gerade ein paar Sonnentage hinter uns haben (und mich das feierlich stimmt): das Fest – fest (Adjektiv)

Les antonymes – wie Tag und Nacht

Sturmtief „Andrea“ sei Dank: heute war so ein richtiger „Anti“ Tag. Anti-Wind-und-Regenwetter, anti-das-warme-kuschlige-Bett-verlassen-müssen, anti-Zeit-haben-den-lustigen-Spatzen-im-Park-zuschauen-zu-können, anti-vom-Rauschen-des-Windes-in-den-Bäumen-begleitet-zu-werden (gerauscht hatte der Windsturm natürlich nur die ganze Nacht und nur ganz gemächlich auf meinem Weg zur Arbeit) und so weiter mit „anti-„. Und weil heute das Präfix „anti-“ meinen Tag beherrschte,  passend dazu ein paar Zeilen zu Antonymen. Wie dies vermuten mag, geht es um etwas das „anti-“ oder eben „gegen“ etwas spricht. Der Ausdruck kommt, wer hätte es anders erwartet, von den guten alten Griechen und Lateinern. Eine kurze Recherche zeigt, dass Antonym von anti „gegen“ und onoma „Name“ kommt (Danke Wikipedia für die Erhellung).  Gegennamen? Einfacher gesagt: Ein Wort, welches sich durch seinen Sinn/seine Bedeutung, einem anderen direkt entgegensetzt. Solche Wörter mit gegensätzlicher Bedeutung sind beispielsweise:

matin (Morgen) – soir (Abend)

jour (Tag) – nuit (Nacht)

Und wenn wir schon bei Nacht sind: Ich hoffe, diese Nacht wird weniger stürmisch, so dass der letzte Tag dieser ersten Jahreswoche mit einer leichten unbeschwerten Brise beginnen möge.

Wenn nicht: für schlaflose Nächte gibt’s noch ganz viel Wissen zu Antonymen auf Wikipedia.

Grammatik der Körpersprache

Selten sprechen wir mit schlaff hängenden Armen und Händen. Ganz im Gegenteil! Je südlicher wir gehen, desto wilder die Gestik. Dass tatsächlich in südlicheren Gefilden mehr gestikuliert wird, ist wohl allgemein bekannt. Falsch. Nordeuropäer gestikulieren genauso viel. Nicht weniger und nicht weniger vielfältig – nur weniger ausladend als unsere südlichen Nachbarn. Italiener und Spanier fuchteln schwungvoll mit Ellenbogen und aus der Schulter heraus, während im Norden vielmehr aus dem Handgelenk betont wird. Dies die Erkenntnis aus der Arbeit von Cornelia Müller. Sie ist Linguistin und beteiligt an einem Projekt von Sprachwissenschaftlerinnen, welche in den nächsten Jahren eine Grammatik der Gesten hervorbringen wollen. Mehr zu dieser Forschungsarbeit und zur Körpersprache im spannenden Artikel von Zeit Online.

Und wer schon immer wissen wollte, was die Zeichen unserer italienischen Nachbarn tatsächlich zu bedeuten haben, der findet bei diesen Videos Unterstützung.

Und hier mit sympathisch italienischem Akzent:

E-Trainer in Orthografie, Interpunktion und Grammatik

Heute bin ich bei meinem grammatischen Streifzug im Netz über eine hilfreiche Zusammenstellung von Lernportalen gestolpert. News.de hat einige Seiten für das Fach Deutsch zusammengestellt. Die meisten davon sind wohl eher was für diejenigen, welche den Stimmbruch noch vor sich haben. Einige Seiten aber könnten durchaus auch für Erwachsene spannend sein. Zum Auffrischen oder ganz einfach für eine lehrreiche Pause. Ganz besonders hat mir dabei folgende Seite gefallen:

Orthografietrainer.net

Hier gibt’s viele Übungen zu Lauten und Buchstaben, Getrennt- und Zusammenschreibung, Komma- und Zeichensetzung, Gross- und Kleinschreibung oder Grammatische Übungen. Der Traum für jeden, der Grammatik mag!

Und für Sprachkursleitende, welche noch nach Zusatzmaterial suchen, bietet diese Seite Faltbücher zu Zungenbrechern oder Übungen zu Präpositionen, Adjektiven, Pronomen, …

Medienwerkstatt-online.de

Natürlich nominalisieren

Natürlich einmachen

Heute war das Wetter frühlingshaft mild. Ohne Sonne zwar, aber dennoch: In der Luft lag der Duft des Frühlings. Ideal also für einen Spaziergang und ein Besuch im Brockenhaus. Einfach so zum Stöbern. Wer weiss, vielleicht würde ich ja ein weiteres Stück für meine Geschirrsammlung mit Trouvaillen aus den Siebzigerjahren finden? Fündig wurde ich tatsächlich. Nicht etwa beim Geschirr, dafür aber in der Buchabteilung. Seit heute bin ich stolze Besitzerin von „natürlich einmachen“, einem Kochbuch, das ich bei der nächsten Erntesaison bestimmt verwenden könnte.

Einmachen interessiert mich. Vielleicht auch, weil meine Grossmutter eine Meisterin darin war. Nur zu gut erinnere ich mich, wie ich als Kind in ihrem Gewölbekeller stand mit diesen unendlich hohen Holzgestellen voller Einmachgläser vor mir. Äpfel, Pfirsiche, Birnen, Bohnen und und und … lagerten dort und warteten auf schlechtere Zeiten. Ja, die Erinnerung an Tage voller Ungewissheit und Rationierung von Lebensmitteln blieb meiner Grossmutter bis in hohe Alter erhalten. Was der Garten hergab, wurde eingemacht. Das Einmachen habe ich von ihr leider nicht mehr gelernt. Darum jetzt dieses Buch und dessen Titel, der mich urplötzlich auf die Frage nach der Nominalisierung von Infinitiven (Grundform des Verbs) zurückwirft. Es ist seltsam den Titel kleingeschrieben zu lesen. Und anscheinend sieht das auch Amazon so. Aber hier geht’s tatsächlich darum, wie ich Früchte und Co. einmachen kann. Natürlich! Also ein Verb mit einem Adjektiv im adverbialen Gebrauch. Wann aber schreibe ich dann die Infinitive gross? Bei Walter Heuer (Richtiges Deutsch, ISBN 3 85823 770 1 – sehr zu empfehlen!) finde ich die nötige Hilfestellung. Hier die Hauptpunkte mit Einmachbeispielen:

Superindikator 1 ist ein Artikel vor dem Inifinitiv:
Das Einmachen hätte ich lieber von meiner Grossmutter gelernt.

Superindikator 2 ist eine Präposition:
Trotz Einmachen sind die Vorräte nicht ausreichend.

Superindikator 3 das Attribut (Beifügung zur näheren Bestimmung eines Wortes):
Einmachen frischer Früchte ermöglicht eine lange Haltbarkeit.

Superindikator 4 es steht kein Artikel, aber er könnte gesetzt werden:
Zur Konservierung eignen sich (das) Einmachen und (das) Einfrieren.

2011: neues Jahr und viel Neues?

Das Jahr ist gerade mal ein paar Stunden alt. Noch hat sich der Käsegeruch des gestrigen Raclettes nicht ganz verflüchtigt, sind die Sektgläser im Abtropfgestell noch feucht. Das vergangene Jahr war ein wunderbares. Schöne Reisen, gemütliche Nachtessen und viel Zeit draussen in der Natur waren einige Höhepunkte, die mein Jahr prägten. Was bringt wohl 2011? Wie viel Schönes, Neues erwartet uns? Und warum werden eigentlich Wörter wie Schönes oder Neues grossgeschrieben?

Mein korpulenter gelber Freund der Duden sagt dazu in Regel 47: „Substantivisch gebrauchte Adjektive und Partizipien werden grossgeschrieben“. Demnach sind „das Gute“ oder „Gutes und Böses“ gross zu schreiben. Ganz besonders aber werden Adjektive und Partizipien dann grossgeschrieben, wenn sie ein Wort wie „viel“ oder „alles“ oder „etwas“ oder „nichts“ oder … davor haben.

Das heisst also: Adjektive, die wie Nomen gebraucht werden (also nominalisierte Adjektive), schreibt man gross.

In diesem Sinne wünsche ich allen viel Neues, Gutes und vor allem viel Schönes fürs Jahr 2011!

Schnee hat den ÖV lahm gelegt…

Ich hätte heute eigentlich am Geburtstagsessen meiner Schwester dabei sein sollen. Doch der Winter hat mir einen ziemlichen Strich durch die Gaumenfreuden gemacht. Ganz unerwartet begann es am Nachmittag nochmals zu schneien. Grosse, ja riesige Flocken fielen vom Himmel. Ein Winterwunderland türmte sich vor mir auf. Noch sah ich einen Bus heranschleichen, dann aber schon bald kam keiner mehr. Auf Nachfrage bei der Verkehrszentrale hiess es, dass nicht nur mein Bus ausgefallen war, sondern eigentlich so ziemlich alle Busse im Moment ins Stocken geraten waren. Die sanftmütigen kleinen Flöckchen hatten die Überhand gewonnen, sie haben den ÖV förmlich lahm gelegt. Der Busbetrieb wurde damit für den heutigen Tag stillgelegt. Jetzt, wo ich da so vor dem Fenster sitze und dem Wirbeln der Flocken zusehe, frage ich mich wieso lahm gelegt auseinander, stillgelegt aber zusammen geschrieben wird? War mir auch nie ganz logisch. Normalerweise gilt ja: Wenn der erste Bestandteil ein Adjektiv ist, das gesteigert oder erweitert werden kann, wird das Wort getrennt geschrieben. Doch das passt hier nicht. Warum? Die passende Erklärung fand ich in den eleganten Worten des Zwiebelfischs.

Tanzen kann man lernen – Adverbiale Bestimmungen im Satz

Einer meiner früherer Lehrer war so höflich, uns in einer Stunde den Merksatz  „Tanzen kann man lernen“ mitzugeben. Damit lässt sich die Reihenfolge der Adverbialen in der Satzstellung einfach merken. T wie Tanzen oder temporal, K wie kann oder kausal, M wie man oder modal, l wie lernen oder lokal. Gewisse Grammatiken bieten auch das Merkwortkonstrukt Te ka mo lo. Mir jedoch scheint „Tanzen kann man lernen“ wesentlich einprägsamer und vor allem spassiger. Und es funktioniert:

Die Mac Fans sind heute (temporal) deswegen (kausal) fünfmal (modal) beim Apple Store (lokal) gewesen.    (Und sie haben das neue iPhone 4 noch immer nicht…)